Wir sehen zuerst, was wir sehen wollen. Dann hören wir, was wir
hören wollen. Dann folgt sehr lange nichts. Und dann, irgendwann,
kommt die Wahrheit. So ähnlich sagt es ein FBI-Beamter in Tom
Tykwers Polit- und Bankenthriller The
International von 2009. Überhaupt enthält der Film dank
Drehbuchautor Eric
Warren Singer einige grandiose Dialoge. Über unsere
Wahrnehmungsstörungen bei der Suche nach der Wahrheit stolpere ich
in diesen Tagen öfters. Bereiten große Teile der Massenmedien einen
Krieg vor? Ein Kollege und guter Freund, einer der hellsten Köpfe
und besten politischen Analytiker, die ich kenne, sagt nein. Ich
reibe mir die Augen. Offenbar sitzen wir jeder in einem anderen Film.
Weder Deutschland, noch die USA, weder Nato noch EU haben
Interesse an einem militärischen Konflikt mit Russland, sagt mein
Freund. Offenbar ist "Krieg" für ihn nicht unterhalb eines
thermonuklearen Konflikt mit Interkontinentalraketen und nuklearem
Overkill denkbar. So gesehen mag mein Freund recht haben. Hoffe ich
wenigstens.
Leider ist ihm entgangen, dass das deutsche
Verteidigungsministerium - unter, sagen wir mal: eigenwilliger
Auslegung eines OSZE-Dokuments - bereits deutsche Militärberater in
die Ukraine geschickt hat, was nur aufflog, weil sie sich von
Rebellen haben erwischen lassen. Auch wenn man sie uns zunächst als
"OSZE-Beobachter" und später - noch irrer - als
"Diplomaten" unterjubeln wollte: Es ist klar, dass sie dort
waren, um die Lage in der Ostukraine auszukundschaften, Stellungen
der Rebellen zu rekognoszieren - nun, kurzum, die Regierung in Kiew
im Bürgerkrieg zu unterstützen. "Wir" sind also bereits
Kriegspartei. Man kann das natürlich auch anders sehen. Gar nicht
zum Beispiel.
8. Mai 2014
5. März 2014
Der Berg ruft
Skilanglauf als Zeitreise: Wintersport im Dreiländereck zwischen Polen, Böhmen und Sachsen
Von Jörn Boewe, junge Welt Reisebeilage, 5. März 2014
Wir fahren zum Wintersport in die Berge: Ein kleines, erschwingliches Gebirge soll es sein, gut mit der Bahn zu erreichen, aber halbwegs schneesicher. Unser Low-Budget-Gegenprogramm zu Sotschi.
Von Jörn Boewe, junge Welt Reisebeilage, 5. März 2014
Wir fahren zum Wintersport in die Berge: Ein kleines, erschwingliches Gebirge soll es sein, gut mit der Bahn zu erreichen, aber halbwegs schneesicher. Unser Low-Budget-Gegenprogramm zu Sotschi.
6. Januar 2014
Wende über Backbord
Nach fast zwei Jahrzehnten schließe ich den Blog www.jboe-reporting.de. Ich bin seit zwanzig Jahren im Geschäft und gehe langsam auf die 50 zu. Irgendwie ist mir nach etwas Subtilerem zumute als "Beruf Reporter". Ich meine, mittlerweile ist das so sehr mein Beruf, dass es mir komisch vorkommt, es besonders zu betonen.
Hier also die News:
1. Es gibt einen neuen Blog, in den ich ein paar von den alten Geschichten mit rüber genommen habe.
2. Es gibt den Blog der Firma.
3. Der alte Blog www.jboe-reporting.de, der sich seit 1994 über die Jahre zu einer brauchbaren Artikelsammlung entwickelt hat, insbesondere bei Themen, wo ich ziemlich weit vorn mitgespielt habe - Stichworte: Berliner Wasserbetriebe, Gewerkschaften, BND-Untersuchungsausschuss - bleibt als Archiv für Recherchen erhalten. Einzige Einschränkung: Man muss sich künftig anmelden, dann gibt's die Freischaltung. Wer das gern tun würde, aber mit der Technik nicht klarkommt, darf mir gern eine Mail schicken.
»No history is written honestly. You have to keep in touch with it at the time and you can depend on just as much as you have actually seen and followed. (…) Because it isn't all in Marx nor in Engels, a lot of things have happened since then.«
Ernest Hemingway, Old Newsman writes. A letter from Cuba (Esquire, Dec. 1934)
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Schreiben
5. Januar 2014
Salzwasser
Seit ich 1996 auf der Stocznia Gdanska für meine Reportage »Nachhutgefechte in Danzig« recherchierte, habe ich immer wieder über die Verbindung von Mensch und Meer geschrieben. Der Grund ist simpel. Die Seeluft, der weite Horizont, Möwengeschrei, Fisch, Salzwasser. All das tut mir in jeder Hinsicht gut. Ich habe keine romantische Vorstellung von der Arbeit im maritim-logistischen Komplex. Seefahrt muss sein, aber sie ist am schönsten, wenn man sie zum Vergnügen betreiben kann. Leider gehört sie zu den Vergnügungen, die ich mir kaum leisten kann. Aber wenn ich es schon viel zu selten schaffe, an Küsten, auf See und Inseln Urlaub zu machen – dann muss ich mir eben passende Arbeit suchen ...
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| Mit der Gaffelketsch »Albin Köbis« auf der Unterwarnow, Juli 2010 |
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Mecklenburg-Vorpommern,
Salzwasser
7. September 2013
Das Notizbuch voll, fehlen mir die Worte
Zurück aus der Schweiz, nach zwei Tagen voll neuer Eindrücke,
Gespräche, Ideen - unterwegs mit Kollegen der Gewerkschaft Unia in
Zürich. Keine politische Bewegung hat mich so beeindruckt, seit ich 1994
bei den Zapatisten in Mexiko war.
Nicht Solidarnosc, nicht Attac, nicht die spanische CGT, nicht Occupy xy.
Nicht Solidarnosc, nicht Attac, nicht die spanische CGT, nicht Occupy xy.
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Schweiz
10. Juli 2013
Tagelang kämpfe ich mit dem Material,
quäle mich herum mit meinen Notizen, Audiomitschnitten, Unterlagen.
Was für ein langweiliges, inkohärentes, undramatisches Zeug! Tage später
gibt es dann tatsächlich einen Text, und ich denke: Oha, das kann man
ja lesen. Das hat aber einer mit leichter Hand geschrieben.
Dann kann ich ja mal 'ne Runde in der Havel schwimmen gehen.
30. April 2013
Unabhängig in der Lausitz
Auf eigene Faust: Ehemaliger Bundesrichter Wolfgang Neskovic tritt
in Südbrandenburg als Einzelbewerber für Bundestagswahl an. Er braucht
rund 30 000 Stimmen
Von Jörn Boewe, junge Welt, 30. April 2013
»Zweimal bin ich als parteiloser Kandidat für die Partei Die Linke angetreten«, sagt Neskovic. Er sitzt in seinem Büro, Unter den Linden 50, immer noch auf demselben Flur wie seine ehemaligen Fraktionskollegen. »Ein drittes Mal werde ich dies nicht tun.« Wer meint, daß hier jemand seinen Rückzug aus der Politik einläutet, liegt falsch. Das Gegenteil ist der Fall: Wolfgang Neskovic will es noch mal wissen. Im Herbst wird er im Wahlkreis Cottbus-Spree-Neiße als unabhängiger Kandidat zur Bundestagswahl antreten.
Von Jörn Boewe, junge Welt, 30. April 2013
»Zweimal bin ich als parteiloser Kandidat für die Partei Die Linke angetreten«, sagt Neskovic. Er sitzt in seinem Büro, Unter den Linden 50, immer noch auf demselben Flur wie seine ehemaligen Fraktionskollegen. »Ein drittes Mal werde ich dies nicht tun.« Wer meint, daß hier jemand seinen Rückzug aus der Politik einläutet, liegt falsch. Das Gegenteil ist der Fall: Wolfgang Neskovic will es noch mal wissen. Im Herbst wird er im Wahlkreis Cottbus-Spree-Neiße als unabhängiger Kandidat zur Bundestagswahl antreten.
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| Bis 2040 raus aus der Braunkohle: Wolfgang Neskovic vor dem Kraftwerk Jänschwalde des schwedischen Vattenfall-Konzerns |
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Brandenburg
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